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Nachgefragt: Maria Anna Thiele im Interview

Mit „Nachgefragt“ startet diese Woche eine neue Blogreihe in der ich junge Gründer und Unternehmer vorstellen möchte. Dabei geht es um die Motivation, die Hintergründe und nette Plaudereien rund um die Selbstständigkeit, das StartUp oder das Ortsunabhängige Arbeiten.

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digital und auf Reisen viel unterwegs: Maria Anna Thiele © Maria Anna Thiele

In der heutigen ersten Episode möchte ich euch Maria Anna Thiele vorstellen. Maria Anna hat sich ganz bewusst aus ihrem sicheren Angestelltenverhältnis gelöst und hat sich im Juli 2016 selbstständig gemacht. Als nun freiberufliche Journalistin und Fotografin tingelt sie durch die Welt und genießt die Freiheiten der Selbstständigkeit. In Ihrem Blog „Maria meets Anna“ teilt sie eine ganze Menge von diesen tollen Erfahrungen. Ich habe mich mit Anna Maria unterhalten und dabei ist dieses tolle Interview entstanden. Viel Vergnügen!

Maria Anna, vielen Dank dass du die Zeit gefunden hast, hier Rede und Antwort zu stehen! Stell dich doch bitte einmal kurz vor.

Maria Anna: Hi, ich bin Maria Anna, ein Yogi-Veggie, der mit wenig Gepäck um die Welt reist – und von unterwegs arbeitet. Meinen Job als Beamtin hing ich im Juni 2016 an den Nagel und arbeite seit dem als freie Texterin und Fotografin.

Du hast dich nun ganz bewusst gegen ein Angestelltenverhältnis entschieden und dich selbstständig gemacht. Was waren deine Beweggründe dafür?

Maria Anna: Ich habe von Anfang an gemerkt, dass mich 9-to-5 – in meinem vorherigen Job eher 7-to-6 – nicht glücklich machten. Gar nicht. Ich habe lange gedacht, dass läge an mir und ich würde mich schon rein finden – machen ja alle irgendwann -, aber das wurde einfach nicht. Irgendwann habe ich angefangen, mich zu informieren, zu überdenken und zu ergründen, ob das Leben wirklich so sein muss.

Durch meine Reisen habe ich viele unterschiedliche Gesellschaften und Lebensformen gesehen und gemerkt: Nein, muss es nicht! Einer der ersten Blogs, den ich zu diesem Thema gefunden habe und der mir sehr geholfen hat, mutig und stark zu werden, selbstbestimmt zu agieren, war Planet Backpack von Conni Biesalski. Nach einer langen Krankheit habe ich dann Nägel mit Köpfen gemacht und die Beurlaubung in der Behörde eingereicht. Seit dem bin ich selbstständig.

Als digitaler Nomade steht dir sozusagen die ganze Welt offen. Wo hältst du dich im Moment auf und wieso genau dort?

Maria Anna: Aktuell ist meine Homebase Hamburg und das finde ich auch ganz gut so. Zum einen ist hier mein Ehefreund, zum anderen meine Freunde, viele Auftraggeber, mit denen ich so auch im persönlichen Kontakt stehe. Ich bin aber sehr oft auf Reisen, da bietet sich Hamburg als Ausgangspunkt natürlich an. Für ein Jahr werde ich das noch genießen, aber dann geht es auf Weltreise. Einen Sommer nochmal in Hamburg, dann reisen wir mit dem Defender um den Erdball – auch ein Grund, warum wir gerade noch in Hamburg sind: Geld sparen. Haha, sagt sie, während sie die teuerste Miete des Landes überweist.

Wie läuft ein typischer Arbeitstag für dich ab?

Maria Anna: Mmh, einen richtigen typischen Alltag gibt es eigentlich nicht. Jeder Tag ist anders und eigen. Es gibt Tage, an denen stehen Termine an, Reisen, an anderen nicht, an einigen Tagen arbeite ich mehr, an anderen weniger oder gar nicht – das glückliche Dasein als Freelancer mit freier Zeiteinteilung und fairer Bezahlung.

An einem typischen Tag Zuhause – also nicht unterwegs – stehe ich für gewöhnlich um 07:30 Uhr auf, mache mir einen grünen Smoothie und setze mich an meinen Schreibtisch. Ich erledige wichtige Textaufträge gern am Morgen, wenn ich besonders produktiv und kreativ bin. Nach einem Mittagessen – Zuhause oder unterwegs mit Freunden oder für Auftraggeber – erledige ich vor allem Papier- und Mailkram, nehme Termine wahr oder arbeite an meinem Blog. An späten Nachmittag gehe ich gern raus, zum Sport, spazieren, treffe mich mit Freunden. Manchmal auch erst am Abend, manchmal lese ich aber auch einfach. Manchmal mache ich auch am Nachmittag nichts mehr oder schlafe aus oder oder oder. Ich versuche jeden Tag so zu leben, wie ich es mag und worauf ich gerade Lust habe. Die Deadlines bleiben natürlich immer im Blick.

Ob in Hamburg oder in weiter Ferne, ortsunabhängiges Arbeiten ist überall möglich!
Ob in Hamburg oder in weiter Ferne, ortsunabhängiges Arbeiten ist überall möglich!

Ich persönlich empfinde die Kundenakquise als schwierig. Besonders ohne vorzeigbare Referenzen ist sehr schwierig, an neue Kontakte zu kommen. Wie meisterst du diesen Weg?

Maria Anna: Mmh, also ich habe vorher schon als Redakteurin und Autorin gearbeitet, weswegen ich Referenzen in diesen Bereichen vorweisen kann. Bilder – ich arbeite auch als Fotografin – sprechen für sich. Trotzdem kenne ich diese Ungeduld. Als ich mich selbstständig machte, saß ich wie auf heißen Kohlen, wollte sofort ganz viele Jobs und weiter kommen. Aber es ist tatsächlich so – auch wenn es ein blöder Ratschlag ist – Geduld zu bewahren. Gute Jobs wachsen nicht auf Bäumen, sie ergeben sich von Zeit zu Zeit. Zudem spricht sich die Qualität deiner Arbeit rum. Eine weitere Möglichkeit wäre es, erst einmal als virtueller Assistent zu arbeiten. So verdient man ortsunabhängig Geld, kann aber auch viel an Expertise dazu lernen. Vernetze dich mit anderen und gehe Stück für Stück deinen Weg. Aber: Verkauf dich niemals unter Wert. Das macht dich und den Markt kaputt.

Was sind deine Ziele in den nächsten Jahren?

Maria Anna: Ich möchte gern im Oktober nächsten Jahres auf Weltreise gehen (yeah!) und ansonsten weiter schreiben. Gern irgendwann Bücher. Vielleicht gründe ich auch irgendwann ein eigenes Business, wer weiß? Ich halte nichts von zu viel Planung, die wirft sich eh immer wieder selbst über den Haufen.

Hast du den Schritt in die Selbstständigkeit schon einmal bereut?

Maria Anna: Nope. Selbst in einer Woche, in der ich täglich vierzehn Stunden durchgezogen habe, habe ich diesen Schritt nicht bereut. Ich bin ein Freigeist und sensibel, ich brauch viel Zeit für mich, stecke mir meine Grenzen selbst. Ich bin wirklich motiviert und arbeitswillig – aber eben zu meinen Bedingungen. Deswegen kann ich mir eine Arbeit als Angestellte nich mehr vorstellen.

Als selbstständiger Unternehmer hat man eine ganze Menge an Papierkram zu erledigen. Auch digitale Nomaden müssen sich an die Gesetze, Vorschriften und Fristen halten. Wie hast du dich da organisiert?

Maria Anna: Ha, hach. Haha. Äh also ich mache meine Steuer mit einer Steuersoftware und denke darüber nach, das im nächsten Jahr einem Steuerberater in die Hände zu legen. Was man nicht kann, soll man schließlich outsourcen.

Die Deutschen gelten ja als besonders sicherheitsbedürftig. Wie sieht es denn bei dir aus, hast du dich besonders gegen irgendwelche Gefahren oder die Zeit im Alter abgesichert?

Maria Anna: Ach, das höre ich ständig: „Was ist dann mit deiner Rente?“, „Was ist, wenn du keine Jobs mehr bekommst?“ Ich muss dazu zu erst einmal sagen, dass ich keine Rente beziehen möchte und an dieses System nicht glaube. Ich möchte nicht einfach mit 65 den Stift wegpacken und nur rumgammeln. Ich denke, das System ist sinnvoll, wenn man sein lebenslang einen Job macht, den man nicht so richtig mag. Aber ich liebe meinen Job, ich möchte auch später weiter schreiben, mich dem widmen und damit Geld verdienen, was mir Spaß macht. Trotzdem sorge ich natürlich vor, nur eben privat und nicht in Bargeld.

Außerdem kann man sich auch in der Selbstständigkeit gegen Jobverluste absichern. Jemand, der angestellt ist, könnte auch mit dreimonatiger Kündigungsfrist auf die Straße gesetzt werden. Ich versuche, möglichst unterschiedliche Auftraggeber an mich zu binden. So, dass ich alle Fix- und Lebensunterhaltskosten gedeckt habe. Alle Aufträge darüber hinaus sind für meine Weltreise und mein Vergnügen. Fällt einer dieser Auftraggeber weg, suche ich mir einen neuen dazu. Was ich sagen will: Macht euch nicht von einem einzigen Geldgeber abhängig, der euch bei Aufkündigung des Projekts in den Ruin zieht. Teilt eure Einkommen auf, dann fallt ihr auch nicht zu tief.

Maria Annas großer Traum: Frei und Unabhängig sein. Sie hat es geschafft!
Maria Anna’s großer Traum: Frei und unabhängig sein. Sie hat es geschafft! © Maria Anna Thiele

Zu guter letzt hast du doch sicherlich noch einen Tipp parat, der sich an den Menschen richtet, der noch gar nicht weiß, ob er lieber Angestellter oder Chef ist?!

Maria Anna: Finde es heraus! Du lebst nur einmal und du wirst so viele Fehler und so viel gute Dinge bewerkstelligen – aber nur, wenn du es tust. Aufhören, darüber zu reden und stattdessen machen. Ja, es kann schief gehen und ja, es kann gut gehen. Das Leben ist eine Reise und niemand sagt dir wohin. Nimm die Chancen an, die sich dir bieten, schau nach links und rechts, erinnere dich immer an deine Wurzeln und vergiss niemals die weniger Privilegierten. Denn das, worüber wir hier reden, das sind #firstworldproblems. Lass einfach alles los, alle Werte und Konventionen und lebe das Leben, das du dir erträumst. Was soll schon schief gehen? Wir sind in keinem Roland Emmerich-Film.

Ich bedanke mich vielmals für deine Zeit (und dieses tolle Interview) und wünsche dir auf deiner Reise und in deiner Selbstständigkeit alles gute!

Hast auch DU ein Unternehmen gegründet oder planst dies? Du bist ein StartUpler? Dann bist DU vielleicht genau der richtige für eine lustige Frage/Antwort-Runde. Hinter diesem Link erfährst du mehr…

1 Kommentar
  1. Madeline sagt

    Tolles Interview und klasse Frau!
    Durfte auch einen Gastbeitrag bei Ihr auf dem Blog schreiben und habe mich darüber sehr gefreut!
    Momentan ist sie in Kanada und auf insta verfolge ich sie rege.
    Ich wünsche ihr nur das beste und bin auf die Weltreise total gespannt!!!
    Liebe Grüße Madeline

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